Wir lieben Schubladen.
Sie schaffen Ordnung. Sie machen Dinge übersichtlich.
Und manchmal geben sie uns das Gefühl, Kontrolle zu haben. In diesem Moment wissen wir, wie es für uns richtig erscheint.
Aber das Leben hält sich selten daran.
Mein Leben schon gar nicht.
Lange habe ich versucht, es allen recht zu machen.
Gut zu sein.
Erwartungen zu erfüllen. Vorstellungen gerecht zu werden.
Meist ist mir das nicht gelungen – und es kam zu Konflikten und Missverständnissen.
Gleichzeitig hatte auch ich große Erwartungen an andere. Erwartungen, die viel zu oft nicht erfüllt werden konnten.
Das hat mich zweifeln lassen, traurig gemacht, manchmal auch wütend.
Und ja – da war auch diese Erwartung davon, wie mein Leben mit Kindern hätte sein sollen.
Oft habe ich gehadert.
War traurig.
Und manchmal auch neidisch auf andere, die in meinem eigenen Schubladendenken scheinbar ein ach so perfektes Leben führten.
Aber wie heißt es so schön: Unter jedem Dach ein Ach.
Lange habe ich versucht, irgendwo reinzupassen.
In Bilder davon, wie ein Leben zu laufen hat.
Alleinerziehend, zwei Kinder, unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Herausforderungen – dafür gibt es keine passende Schublade.
Und lange habe ich geglaubt, dass genau das mein Fehler ist.
Heute sehe ich das anders.
Meine Kinder passen in keine Schablone.
Sie sind nicht einfach, nicht glatt, nicht leise angepasst.
Sie sind sensibel, stark, fordernd, liebevoll, manchmal laut, manchmal ganz still.
Und sie zeigen mir jeden Tag, dass Menschsein nicht einheitlich ist.
Dass Wege verschieden sind. Und dass genau darin eine große Wahrheit liegt.
Auch ich passe nicht in eine Schublade.
Ich bin Mama, Künstlerin, Freigeist.
Ich halte viel aus, zweifle oft, spüre tief.
Ich funktioniere – und ich falle.
Ich bin stark – und ich bin müde.
Und beides darf nebeneinander existieren.
Unsere Gesellschaft liebt klare Kategorien.
Richtig oder falsch.
Stark oder schwach.
Belastbar oder „zu sensibel“.
Doch das Leben dazwischen ist viel größer. Und viel ehrlicher.
Wenn wir die Schubladen einmal ausleeren, beginnt sich etwas zu zeigen: wie vielfältig, wie lebendig und wie wundervoll alles ist – nur aus einer anderen Perspektive.
Wie schön es ist, nicht nur eine Eigenschaft, ein Hobby oder eine Lebensart zu haben, sondern so viele verschiedene.
Wir lieben ja auch nicht nur Schokopudding – auch wenn der schon verdammt lecker ist.
Es gibt Tage, da wünsche ich mir einfache Antworten.
Klare Lösungen.
Einen Plan, der aufgeht.
Und dann gibt es diese anderen Tage, an denen mir bewusst wird: Genau darin liegt ein Schatz. In dem, was nicht nach Plan läuft.
In dem, was sich nicht festhalten lässt.
Wenn nichts eindeutig ist, darf ich fühlen. Darf langsamer sein. Darf meinen eigenen Rhythmus finden.
Nicht alles passt in Schubladen.
Nicht jeder Weg ist gerade.
Nicht jedes Leben lässt sich erklären.
Und vielleicht liegt genau darin etwas Befreiendes.
Vielleicht dürfen wir aufhören, uns passend machen zu wollen.
Vielleicht dürfen wir anfangen, uns selbst ernst zu nehmen – mit allem, was wir sind.
Dieser Gedanke begleitet mich schon lange.
Und er trägt mich. Leise, aber beständig.
Wenn du das hier liest und dich manchmal auch „dazwischen“ fühlst:
Du bist willkommen, genau so wie du bist.
Und vielleicht darf das für diesen Moment einfach genug sein.
Du bist genau richtig, wie du bist!
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