Warum Mitgefühl kein Luxus ist

Mitgefühl wird oft missverstanden.

Als etwas Weiches. Als zu sensibel. Als etwas für ruhige Zeiten.
Als etwas, das man sich leisten kann, wenn alles gut läuft.

Mitgefühl für andere ist oft leichter aufzubringen.

Besonders dann, wenn wir uns selbst erlauben, nicht immer funktionieren und nicht perfekt sein zu müssen.

Ich habe gelernt: Genau dann brauchen wir es am meisten, wenn nichts leicht ist.

Mitgefühl ist kein Extraschritt. Kein Sahnehäubchen auf einem funktionierenden Leben.

Mitgefühl ist das, was bleibt, wenn Pläne nicht aufgehen, Kräfte schwinden und Antworten fehlen.

In meinem Alltag ist Mitgefühl nichts Abstraktes.

Es zeigt sich nicht in großen Gesten, sondern in kleinen Momenten.

Wenn jemand zuhört, ohne zu bewerten.

Wenn Fragen gestellt werden, ohne sofort eine Lösung zu erwarten.

Wenn Raum da ist – für das, was gerade ist.

Ich sehe jeden Tag, wie schnell wir urteilen. Über Lebenswege. Über Entscheidungen. Über das, was jemand kann oder nicht kann.

Und ich schließe mich selbst davon nicht aus.

Gerade dann, wenn wir denken, jemand passe nicht in unsere Vorstellung von dieser Welt, beginnen Erklärungen und Rechtfertigungen.

Ein ständiges Müssen.

Dabei würde Mitgefühl so vieles leichter machen. Denn ich sehe auch, wie viel Kraft es kostet, sich immer wieder erklären zu müssen.

Mitgefühl beginnt dort, wo wir aufhören zu vergleichen. Wo wir anerkennen, dass jedes Leben anders aussieht – und dass das völlig in Ordnung ist.

Wo wir verstehen, dass Belastung nicht messbar ist.

Und dass Stärke viele Gesichter hat.

Manchmal bedeutet Mitgefühl, einfach da zu bleiben. Nicht wegzuschauen. Nicht zu beschwichtigen. Nicht zu bewerten.

Sondern auszuhalten, dass etwas schwer ist – ohne es kleiner zu machen.

Ohne uns selbst klein zu machen.

Oder einen anderen Menschen.

Und manchmal beginnt Mitgefühl bei uns selbst. Wenn wir aufhören, uns anzutreiben. Wenn wir unsere Müdigkeit ernst nehmen. Wenn wir uns erlauben, nicht immer zu funktionieren.

Ich glaube nicht, dass wir eine perfekte Welt brauchen.

Ich glaube, wir brauchen mehr Menschlichkeit.

Mehr Zuhören.

Mehr Zwischenräume.

Mehr Herz.

Mehr Liebe.

Mitgefühl verändert nicht alles sofort. Aber es verändert, wie wir einander begegnen.

Und manchmal reicht genau das, um einen Tag leichter zu machen.

Oder einen Weg ein kleines Stück weniger einsam.

Vielleicht ist Mitgefühl kein Luxus.

Vielleicht ist es das Fundament, auf dem wir uns gegenseitig halten können.

Du bist genau richtig, so wie du bist!

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