Wenn Stärke leise ist

Lange dachte ich, Stärke müsse laut sein.

Durchhalten.

Weitermachen.

Funktionieren.

Nicht wackeln.

Nicht zweifeln.

Ich habe versucht, diesem Bild gerecht zu werden.

Habe mich zusammengerissen, geschluckt, erklärt.

Habe gelernt, wie man „stark wirkt“, auch wenn innen alles müde war. Mir blieb oft auch nichts anderes übrig.

Ich musste nicht nur meine Frau stehen, sondern auch meinen Mann.

Ich habe – mit einer Freundin – Autoreifen gewechselt, Schränke aufgebaut und all die Dinge erledigt, die man in einer Beziehung gern teilt. 

Typischer Spruch: selbst ist die Frau.

Abends, wenn alles ruhig war, flossen die Tränen.

Zum einen aus Stolz, es allein geschafft zu haben.
Zum anderen aus diesem stillen Warum:
Warum muss ich immer alles allein schaffen?

Ich wollte auch mal schwach sein.

Aber dafür war keine Zeit.

Also Tränen abwischen, Gedanken zur Seite schieben, ein Lächeln aufsetzen – und stark weiter machen.

Heute weiß ich: Das war eine Form von Stärke.
Aber nicht die, die mich wirklich trägt.

Die Stärke, die mein Leben verändert hat, ist leise.

Sie zeigt sich nicht in großen Worten oder schnellen Lösungen.

Sie zeigt sich morgens, wenn der Tag beginnt und ich noch nicht weiß, wie ich ihn schaffen soll – und trotzdem aufstehe.

Sie zeigt sich, wenn ich zugebe, dass etwas zu viel ist.

Wenn ich Pausen brauche und mache ohne schlechtem Gewissen. Wenn Tränen kommen dürfen, ohne dass ich mich dafür rechtfertige.

Leise Stärke wohnt in den kleinen Momenten.
In einem tiefen Atemzug.
In einem Nein, das sich richtig anfühlt.
In einem Ja zu mir selbst, auch wenn niemand applaudiert.

Ich sehe diese leise Stärke jeden Tag. In meinen Kindern. In ihrer Art, die Welt zu spüren, ihren eigenen Rhythmus zu gehen, sich immer wieder aufzurichten – auch dann, wenn etwas schwerfällt.

Sie erinnern mich daran, dass Kraft nichts mit Härte zu tun hat.

Unsere Gesellschaft feiert oft das Sichtbare: Leistung, Tempo, Belastbarkeit.

Doch das, was uns wirklich trägt, bleibt häufig ungesehen.

Die innere Arbeit. Das Aushalten. Das Weitergehen ohne Lärm.

Leise Stärke ist nicht spektakulär.
Aber sie ist ehrlich.
Und sie bleibt.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch. Dieses stille Durchhalten. Dieses Weitergehen, obwohl niemand sieht, wie viel es kostet.

Dann möchte ich dir sagen: Das ist Stärke.
Nicht die, die man beweisen muss.
Sondern die, die dich hält – von innen heraus.

Und manchmal reicht genau das.

Du bist genau richtig, wie du bist!

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